„Und wieder ein Hagenkötter“… oder die Reise zum DSTFB-Pokal nach Berlin im Herbst 2015

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Gerd Häcker ist den meisten Subbuteo Spielern ja hinlänglich bekannt. Sein Engagement für den Tischfußballsport groß.

Da seine Erfahrungen beim letztjährigen Deutschen Pokal sehr gut waren, wollte er auch am diesjährigen Wettbewerb unbedingt teilnehmen.

Ich zog nicht so recht mit, da ich noch mit Wunden lecken beschäftigt war. Zu groß sind doch die Leistungsunterschiede eines Anfängers wie mir zu Spielern, die bereits seit Jahren spielen. Folglich wurde ich auf den bisherigen Turnieren zwar sehr rücksichtsvoll behandelt aber dennoch ohne jegliche Chance „filetiert“.

Gerd überzeugte mich aber davon, dass bei diesem Ereignis auch andere Anfänger dabei sein könnten und es dann nicht ganz so schlimm kommen könnte.

Ich nahm sein Argument positiv auf. Mir war klar, er sagte es nicht nur aus selbstsüchtigen Motiven heraus um eine Begleitung zu haben; so sehr ist ihm nicht an 3 Tagen mit mir auf Reisen zu gehen gelegen.

Ich machte den Veranstaltungsort ausfindig, suchte ein passendes Hotel und buchte über Air Berlin ein passendes Paket. Gerd schloß sich der Idee mit Flug und Hotel an.

Gerds Aufruf zur Pokalteilnahme folgten noch Roland, Milan und Conny. Roland, unerschrocken und auf seine langjährige Turniererfahrung bauend, fuhr erst Samstag früh los. Milan, der jüngste und sportlichste von uns allen, reiste bereits freitags aus Karlsruhe mit seiner Frau Katrin mit dem VW- Bus an. Conny mit ihrem Mann Thomas aus Mainz. Die Zwei waren schon bei so viel Turnieren, da fährt das Auto wahrscheinlich schon von alleine zu den bekannten Veranstaltungsorten.

Ich verabschiedete mich von meiner Frau und meinem Sohn und fuhr mit meinem Nachbarn zum örtlichen Bahnhof, erklomm den Zug nach Dachau und kam pünktlich bei Gerd an.

„Ich habe es im Hals, da ist es ganz komisch“ schallte es mir entgegen. „Mich hat ein Kollege angesteckt“. „Immer beim Pokal bin ich krank“. Gerd war angeschlagen, er ließ sich aber auch davon nicht bremsen. So fuhr er mit seiner Frau und mir zum Flughafen München. Natürlich war das Hauptthema der Fahrt seine Erkältung.

Ich, als alter Selbstdiagnostiker, erklärte ihm, dass er „aggressiven Schleim“ im Rachen spürt. Das würde ihm dieses Unbehagen bereiten. Natürlich traf meine Diagnose zu 100% zu und während Gerd noch überlegte, was „aggressiver Schleim“ ist, waren wir auch schon am Flughafen.

Perfekt vorbereitet und mit sortierten Reisedokumenten checkten wir problemlos ein. Die Sicherheitskontrolle stand uns noch bevor. Durch meinen Defibrilatorausweis erwartet mich das Vergnügen einer persönlichen Kontrolle ohne maschineller Unterstützung. Alles in Ordnung, aber in meinem Handgepäck ein Möbelspray ging gar nicht. „Das müssen sie leider hier lassen“, meinte ein Sicherheitsmitarbeiter des Flughafens. „Ich polier damit doch nur Spielfiguren“ wendete ich ein. „Sie könnten damit im Flugzeug aber…….“. Ich hatte verstanden und akzeptiert. Gerd hatte sein Spray im aufgegebenen Gepäckstück verstaut. Darum ist er Präsident unseres Clubs. Er ist der weltmännischste von uns allen.

Gerds Gesundheitszustand blieb Thema und so kaufte ich in weiser Voraussicht eine Packung Ricola Schweizer Kräuterzucker. Falls mich es treffen sollte, wollte ich vorbereitet sein und zur Bekämpfung des aggressiven Schleims bei Gerd im Hals wären die Bonbons sicherlich auch mehr als hilfreich. Ich bot an und siehe da, Gerds Befinden verbesserte sich ein wenig.

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Wir stiegen in den Flieger, erhielten für unser Geld sicheren Transport, einen Becher Cola und 20 Gramm Chips. Wohlbehütet landeten wir in Berlin – Tegel.

Gepäck entgegengenommen und raus aus dem Flughafen um den Bus in die Innenstadt zu suchen.

Ich brauche aufgrund einer Wertmarke in Verbindung mit meinen Erkrankungen nichts für den öffentlichen Nahverkehr zu bezahlen. Als hätte der Busfahrer Gerds Halsleiden bemerkt und für bemitleidenswert eingestuft, ließ er ihn umsonst mitfahren. So kamen wir zum Bahnhof Zoologischer Garten.

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Hier bewies sich Gerd als wirklicher Führer. Er studierte kurz den Nahverkehrsplan, den Tarifplan und leitete uns zielsicher mit Bus, S- und U- Bahn zu unserem Hotel in Teltow.

Wir akklimatisierten uns im Hotel und nahmen einen kleinen Imbiss ein. Gerds Gesamtzustand hätte sich durch den Snack eigentlich verbessern müssen, aber er vernahm einen leicht parfümierten Geruch in der Hotellobby, der ihn sichtlich irritierte und störte. Man versicherte ihm, dass die Luft im Hotel nicht durch irgendetwas angereichert wird um ihm die Sinne zu rauben. Nicht zu 100 % überzeugt, reifte in ihm der Plan nun zu Fuß vom Hotel zum Turnierort zu gehen um die Örtlichkeiten zu prüfen und dabei etwas für seine angeschlagene Gesundheit zu tun.

Nach einem Fußmarsch von knapp einer Stunde, in dem er im Übrigen immer wieder darum bat, ich solle doch nicht so schnell gehen, kamen wir im Jugendzentrum an. Wir wurden sehr herzlich von einer Mitarbeiterin des Zentrums empfangen und mit Cola versorgt. Kaum ausgetrunken kamen auch schon der Turnierleiter Marcus Tilgner und seine Helfer. Sie ließen uns noch ein wenig sitzen, besprachen sich noch ein wenig untereinander und luden dann Gerd und mich ein, uns in Ihrem Trainingsraum auf einer eigens für uns bereitgestellten Spielplatte mit dem Spieltuch des Turniers vertraut zu machen.

Gerd und ich halfen ein bisschen bei den Vorbereitungen mit, trainierten ein wenig, erhielten wertvolle Tipps von Marcus und plauderten so nebenbei launig mit den Anwesenden. Marcus empfahl uns dann noch einen tollen Italiener für unsere Abend-verpflegung.

Gerd muss wohl doch von meinem Mitgefühl wegen seiner Halssache gerührt gewesen sein. Als großzügige Geste lud er mich zu diesem Abendessen ein.

Milan war in der Zwischenzeit auch mit seiner Frau in Berlin angekommen und nächtigte mit ihr ganz in der Nähe von unserem Hotel. So beschlossen wir, den Abend noch gemeinsam in unserem Hotel in der Bar ausklingen zu lassen. Im hinteren Bereich der Bar war die Geruchsheimsuchung für Gerd auch nicht mehr so schlimm. Als Milan und Katrin uns verließen, ging ich, nicht unzufrieden mit dem Tag, auf mein Zimmer.

Wir trafen uns zum Frühstück. Auf meine Nachfrage bezüglich seines Gesundheitszustands wurde ich auf den aktuellen Stand gebracht. Erstaunt über meine Spiegeleier/Speck Burger, die ich mir beim Buffet zusammengebaut hatte, kam in Gerd die Sorge auf ,ob das meinem Herz guttun würde. „Nicht mehr oder weniger als die Butter die du dir auf die Semmel schmierst“ erwiderte ich darauf.

Trotzdem schön, wenn sich jemand Gedanken macht. Das nächste Mal musst du mir halt einen Obstteller herrichten.

Milan holte uns nach dem Frühstück ab und wir fuhren in seinem Bus zum Wettbewerb. Dort angekommen trafen wir auch schon auf die ersten Teilnehmer. Wie schon bei der deutschen Meisterschaft in Hohenkammer spielte ich mich wieder mit Dieter Sauerwein ein. Nach und nach trudelten weitere Spieler ein. Mein „ewiger Rivale“ Frank Stiller zum Beispiel oder auch Tom Horn.

Die Dortmunder Fraktion um Frank Hagenkötter und viele andere mir bereits bekannte Gesichter folgten. Die Mädels von Sparta Spreeathen 74/82 kümmerten sich liebevoll um die Verpflegung (vielen Dank dafür an alle und besondere Grüße an dieser Stelle an Mutter Kegenbein) und versorgten uns erstklassig.

Alle warteten schon gespannt auf die Auslosung. Als Losfee konnte Milans Frau Katrin gewonnen werden. Durch die Teilnehmerzahl von 26 musste eine Qualifikationsrunde gespielt werden. Es wurden 10 Paarungen ausgelost, deren Sieger auf die verbliebenen nicht zugelosten 6 Spieler im Achtelfinale treffen sollten. So kam es wie es kommen musste. Gerd bekam es mit Björn Kegenbein schon in der Qualifikation zu tun während ich bei den glücklichen 6 Verbliebenen war.

Damit konnte ich schlechtesten Falls 16ter werden. Was mich auf der einen Seite freute aber sportlich nicht ganz fair erschien. Blieben doch bessere Spieler bereits in der Qualifikation hängen und waren so schlechter platziert als ich. Das sind aber die so genannten eigenen Gesetze des Pokals wie ich mir sagen ließ.

Damit es mir aber auch nicht zu leicht gemacht werden würde, loste Katrin mir mit Marcus Tilgner in der ersten Runde den immerhin amtierenden deutschen Meister zu. Ich kämpfte, war aber chancenlos. Gelang mir mal ein anständiger Verteidigungszug, umkreiselte er mit seinem Angreifer einfach meinen Verteidiger. Meine Beschimpfungen, er solle doch ob seiner Überlegenheit nicht auch noch Magie einsetzen, beeindruckten Marcus nicht im geringsten. Folglich war für mich im Achtelfinale Schluss.

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In den weiteren Platzierungsspielen (natürlich auch gegen meinen „Erzrivalen“ Frank Stiller 1:3) schlug ich dann im Spiel um Platz 15 in einer hochdramatischen Partie die mir sehr sympathische Annika Hentrich knapp mit 1:0.

Der Turniertag endete mit selbstgemachter Pizza von Daria, Svenja und Maike sowie einem köstlichen Chili con Carne das Gerüchten zu Folge von Mutter Kegenbein gekocht wurde.

Für den Abend war die jährliche Vertreterversammlung anberaumt worden. Dort sollte ein neuer Vorstand gewählt werden. Dies wurde auch getan und es fanden sich glücklicherweise neue Leute die sich dieser Aufgabe annehmen wollten.

Frank Hagenkötter ist neuer erster Vorstand, als seine Stellvertreter fanden sich mit Gerd Häcker und Frank Stiller sicherlich fähige Leute. Die sportliche Leitung wird in Zukunft von Marcus Tilgner allein übernommen. Kassenwart blieb Dieter Sauerwein. Es wurden noch einige Anträge gestellt, die Tom Horn dazu veranlassten auf seinem Stuhl einzunicken. Roland Popp, der auch diesem „Spektakel“ beiwohnte, blieb mit seinem Stuhl von Anfang an auf Sicherheitsabstand zu dem Geschehen um nicht aus Versehen mit einem Posten ausgestattet zu werden.

Frank Hagenkötter leitete seine erste Sitzung als neuer Vorstand souverän und mit viel Geduld. Angst hatte er nur vor seiner Frau, weil er das Amt angenommen hatte. Wollen wir hoffen, dass er mit seinen Helfern die deutsche Subbuteo-Gemeinschaft in eine erfolgreiche Zukunft führen kann.

Vom anstrengenden ersten Tag gezeichnet, verabschiedete ich mich in die Nacht und rief mir ein Taxi zurück ins Hotel. Rückenschmerzen peinigten mich und so fragte ich, wissend um die Aussichtlosigkeit meiner Bitte, an der Hotellobby nach, ob sich noch eine Masseuse im Hotel befinden würde. „Eine medizinische nicht, aber für erotische Entspannung könne er jemanden organisieren“. Aufgrund meines Gesamtzustandes verzichtete ich aber auf dieses Serviceangebot des Hotelmitarbeiters und ging auf mein Zimmer.

Sonntag – Mannschaftswettbewerb. Milan kam mit seiner Frau Katrin zu uns in Hotel und die Beiden frühstückten mit uns. Gerds Gesundheitszustand war zwar immer noch nicht besser aber er wachte immerhin als Funktionär des deutschen Tischfußballverbandes auf.  Wie sollte es auch anders sein. Wieder wurde Gerd von unangenehmen Gerüchen belästigt. Diesmal aus der Küche des Hotels.

Der Frühstücksspeck wurde in der Hotelküche zu Tode gebraten und der daraus entstandene Fettgeruch störte Gerd bei seinen Frühstücksfreuden dermaßen, dass er freundlich, aber bestimmt, um Beseitigung dieses Zustandes bat.

Frisch gestärkt ging es wieder in das Jugendfreizeitheim Düppel. Man spielte sich ein wenig ein (diesmal mit Uwe Stiller) und bereitete sich auf den Mannschaftswettbewerb vor. Unser Teamkapitän Roland Popp (eine Art Sepp Herberger des Subbuteo) stellte die Mannschaft zusammen. Gerd Häcker, Conny Vulpes, Milan Knesevic und mich. Im ersten Spiel gab es eine klare Niederlage gegen das B Team aus Dortmund. Durch Rolands geschicktes Händchen bei der Wahl der Spielpaarungen gelang unserem Team aber der erste Sieg unserer Vereinsgeschichte über die B- Mannschaft von Berlin.

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Ich wurde Tom Horn geopfert, der mich souverän mit 10:0 abfieselte und keine Gnade walten ließ. Es war aber zum großen Teil auch meine Schuld. Eine doch recht schwache Torwartleistung ließ dieses Ergebnis in dieser Höhe zu. Aber meine Teamkameraden konnten gegen ihre Gegner punkten und so gewannen wird dieses Spiel mit 2:1. Beim Spiel gegen die A-Auswahl von Berlin geriet Conny Vulpes in den jeweiligen Halbzeiten zwischen die beiden jungen Männer Björn Kegenbein und Marcel Kwiatowski.

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Sie jammerte zwar ein wenig über die Spielstärke der beiden aber ich denke es gefiel ihr dann doch ganz gut von all diesen filigranen Fingern der beiden auf dem Spielfeld umgeben zu sein.

Es sollte auch der Ausspruch des Turniers nicht unter den Tisch fallen. Beim Spiel Frank Hagenkötter gegen Björn Kegenbein rief Frank aus heiterem Himmel laut aus „Wie kann man bei 80 % Ballbesitz 1:6 verlieren“ Ob es gefühlt oder tatsächlich zu 80% Ballbesitz kam, wird wohl nie genau geklärt werden können.

Am Ende des Turnieres landeten wir auf dem für unsere Verhältnisse tollen 4. Platz.

Im Finale zwischen Dortmund I und Berlin I wurden wir Münchner als Schiedsrichter eingesetzt. Ich war ein bisschen angespannt. Aber die Spieler Marcel Kwiatowski und Stephan Boddenberg spielten nicht nur sehr hochklassig, sondern auch sehr fair. Das erleichterte mir meinen Auftritt als Referee ungemein.

Es folgten die Siegerehrungen und langsam löste sich das Teilnehmerfeld auf. Viele hatten ja noch einen weiten Weg nach Hause. Gerd und ich beschlossen die Rückreise nicht wie geplant mit dem Flieger, sondern mit Roland durchzuführen. Mit Roland am Steuer fuhren wir sicher zurück Richtung Heimat, stärkten uns mit Bockwurst und Eis an einer Raststätte in Thüringen. Bei Gerd hatte sich der aggressive Schleim in einen aggressiven Hustenreiz verwandelt. Ihm schmolz dann noch ein Snickers und ich denke er war froh, als er endlich zu Hause ankam.

Nochmals vielen Dank an dieser Stelle allen Teilnehmern und Veranstaltern. Das Turnier war herzlich, toll organisiert und fand in einer sehr fairen und angenehmen Atmosphäre statt.

Ein besonderer Dank gebührt an dieser Stelle auch Roland Popp, der als Teamkapitän tolle Arbeit verrichtete und auf einen eigenen Spieleinsatz zugunsten der schwächeren Spieler zwecks zu sammelnder Erfahrung verzichtete.

Nicht unerwähnt sollte auch Gerd Häckers unermüdlicher Einsatz für den Tischfußballsport im Umland von München bleiben. Danke dafür Gerd.

Der Pokal ist wirklich ein Turnier an dem man teilnehmen sollte, auch als Anfänger. Hoffentlich sehen wird uns alle nächstes Jahr gesund wieder.

Euer Jens

Die Subbuteo Community